Blick ins Labor

Neue Weltoffenheit

Vernetzte Geräte können die Energieeffizienz zuhause deutlich erhöhen. Doch dafür braucht es offene Systeme, die herstellerübergreifend zusammenwirken. Was das bringt, zeigen Beispiele von Miele und Samsung.

Wenn Florian Nielsen über vernetzte Produkte spricht, fällt oft der Begriff des digitalen Ökosystems. Der 40-jährige Informatiker, der seit 2017 im Bereich Smart Home/Electronics bei Miele arbeitet, denkt dabei nicht nur an die eigenen Produkte. Er hat die jüngeren Verbraucherinnen und Verbraucher im Blick, die als „digitalaffines Kundensegment andere Erwartungshaltungen und Bedürfnisse haben“. Diese wollen sich nicht an Produkte anpassen, im Gegenteil. Außerdem wünschen sie sich wie bei ihren Smartphones automatische Updates und mehr Funktionen. „Die Kunden nutzen zudem ganz unterschiedliche Ökosysteme und wir müssen dafür sorgen, dass wir damit kompatibel sind.“

Ebenso wichtig ist es für Nielsen, mithilfe der Daten von Kundinnen und Kunden die Produkte und deren Vernetzung zu verbessern. Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen dafür die Miele-App nutzen und einwilligen, dass bestimmte Daten weitergegeben werden. „Wir pseudonymisieren und aggregieren diese, um mehr über die Nutzungsgewohnheiten unserer Kundinnen und Kunden herauszufinden.“ Die Daten werden vor allem verwendet, um Miele-Produkte und -Dienste kontinuierlich weiter­zuentwickeln und zu verbessern. Das Datensammeln und -nutzen dient dazu, die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden vorhersagen und die Produkte darauf anpassen zu können. Waschmaschinen sollen so erkennen können, welche Wäsche in ihnen landet, Backöfen sollen per Kamera aufnehmen, was zubereitet werden soll und daraufhin ein Automatikprogramm starten. Ein weiterer Trend ist für Florian Nielsen das Energiemanagement. Es ginge nicht mehr nur darum, möglichst energieeffiziente Hausgeräte zu bauen, sondern diese auch clever in nachhaltige Energiesysteme einzubinden. 

 

Offenen digitalen Ökosystemen gehört die Zukunft.

Für Thorsten Boeker ist das Thema das richtige Stichwort. Der promovierte Physiker entwickelt bei Samsung neue Geschäftsfelder, vorher war er in einem Solarunternehmen tätig. Ein wichtiger Schritt für mehr Nachhaltigkeit ist für ihn eine Kooperation, die Samsung mit dem Solarmodul- und Energiespeicherhersteller Q-Cells eingegangen ist. Gemeinsam sollen Lösungen für ein Null-Energie-Haus entstehen. Neben der Sonnenenergie sollen dazu effiziente Geräte und eine intelligente Steuerung beitragen. Im Kern steht dabei die SmartThings-App von Samsung, die die Energieerzeugung überwachen und den Verbrauch optimieren soll. Dazu werden die Inverter, die den Gleichstrom der Solaranlage in Wechselstrom für den Haushalt umwandeln, über Cloud-Lösungen an das Hausnetzwerk angebunden. „Wir können den Geschirrspüler genau dann laufen lassen, wenn die Sonneneinstrahlung gerade hoch ist und der selbst erzeugte Strom genutzt werden kann“, nennt Boeker ein Beispiel.

Auch Samsung will dabei offen bleiben für andere Anbieter von Wechselrichtern. Offene Ökosysteme seien sowieso der richtige Schritt in eine vernetzte Zukunft, sagt auch Boeker. So könnte auch für mehr Überblick über den Stromverbrauch im Haushalt gesorgt werden. „50, 60 Prozent davon stammen von Geräten, die permanent angeschaltet oder auf Stand-by eingestellt sind“, sagt er. „Wenn man den Energie- ähnlich wie den Datenverbrauch des Smartphones im Blick hätte, könnte sich schon viel verändern.

 

Text Marc-Stefan Andres | Bild Shutterstock/ Siberian Art

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3.2022 am 12. August 2022 erschienen.



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