Auf einen Blick

Doktor Cloud

Die Medizin der Zukunft ist digital und vernetzt. Während Medizingeräte heute völlig verschiedene Sprachen sprechen, lassen sie sich nun über den neuen IEEE-Standard 11073-SDC bidirektional und sicher miteinander verbinden – und zwar herstellerübergreifend. In dieser Grafik zeigen wir an einem Beispiel, wie eine Intensivstation dank offener Kommunikationsstandards künftig arbeiten könnte.

Auf Leben und Tod

Auf Leben und Tod

Diagnose: Blutvergiftung (Sepsis). Lebensgefahr! Der Patient liegt auf der Intensivstation, wo er mit Atem- und Kreislaufproblemen kämpft. Zahlreiche Diagnosegeräte liefern aktuelle Vitaldaten, weitere Geräte versorgen ihn mit Nahrung oder waschen sein Blut (Dialyse). Dank SDC stehen die Daten im geschützten Netzwerk zur Verfügung. Außerdem fließen in die Entscheidungsfindung auch Informationen aus der Klinik-IT ein (zum Beispiel Laborwerte oder CT-Aufnahmen).

Echtzeit-Analyse

Echtzeit-Analyse

Alle relevanten Daten gelangen für die Auswertung in eine Cloud. Dort nutzen Algorithmen eine Vielzahl an Parametern, um ein Bild vom aktuellen Zustand des Patienten oder der Patientin zu ermitteln. Daraus erzeugen sie in Echtzeit eine zusammenfassende Übersicht, die nur die wesentlichen Kennzahlen und Trends enthält – eine immense Entlastung für das medizinische Personal in Kliniken. Zudem lassen sich aus den Daten automatisch Anweisungen für die Medikamentenpumpen oder das Beatmungsgerät ableiten. So werden autonome Regelkreise möglich.

Daten überall verfügbar

Daten überall verfügbar

Durch die Vernetzung sind die Echtzeit-Daten des Patienten bzw. der Patientin an jedem angeschlossenen Gerät verfügbar – zum Beispiel im Arztzimmer. Die intensivmedizinische Versorgung ist somit auch kontinuierlich „remote“ möglich.

Live-Dashboard

Live-Dashboard

Das Klinikpersonal sieht alle wesentlichen Echtzeit-Patientendaten und deren Trends in einer einzigen Übersicht als Zusammenfassung. So erkennen sie sofort, wie es um den Patienten oder die Patientin steht und welche Dynamik das Geschehen hat. Das hilft ihnen dabei, in Sekundenschnelle die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Daten liegen in der geschützten Cloud, sodass das Klinikpersonal von überall darauf zugreifen kann – etwa über einen Monitor neben dem Bett oder einen Tablet-Computer.

Grenzenlose Konnektivität

Der neue Standard IEEE 11073-SDC (Service-oriented Device Connectivity) definiert eine Architektur, die die Interoperabilität zwischen medizinischen Geräten am Point-of-Care sowie den nahtlosen Datenaustausch mit Krankenhaus-Informationssystemen ermöglicht. Bisher sprechen die Produkte verschiedener Hersteller jeweils eigene Sprachen und lassen sich nur mit hohem Aufwand verbinden. SDC-fähige Geräte können bidirektional und dank Verschlüsselung auch sicher miteinander kommunizieren.

SDC soll dazu beitragen, medizinischem Personal in Kliniken die optimalen Daten für ihre Entscheidungen zu liefern. Die ersten Konzepte für den neuen Standard wurden im Wesentlichen im Projekt OR.NET im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelt. Im September 2018 genehmigte der IEEE-Normenausschuss die finale Spezifikation der 11073-SDC-Normenfamilie, die daraufhin im Januar 2019 veröffentlicht wurde. Das deutsche Medizintechnikunternehmen Dräger stellte Anfang 2023 das weltweit erste Gerät vor, das SDC nutzt.

 

Text: Christian Buck  Illustration shutterstock.com/elenabsl, shutterstock.com/Artistico

 

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.2023 am 2. Oktober 2023 erschienen.



Erschienen in der Ausgabe 2.2023

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