Editorial

Tempo machen!

Liebe Leserinnen und Leser,

die Elektro- und Digitalindustrie hat nach drei schwierigen Jahren endlich wieder Rückenwind. Die Auftragseingänge haben zuletzt deutlich angezogen, für 2026 rechnen wir mit einem leichten Produktionsplus von zwei Prozent. Klar ist jedoch: Für einen dauerhaften Aufschwung braucht es mehr. Hier ist die Politik gefragt.

Schon vor einem Jahr haben wir eine Effizienzwende gefordert, mit weniger Bürokratie und mehr Freiheiten für unternehmerisches Handeln. Heute stellen wir leider fest: Diese Wende ist ausgeblieben. Bundeskanzler Merz spricht zwar von höchster Priorität für die Wirtschaft. Doch noch immer fehlt die notwendige Entschlossenheit für mutige Reformen: wettbewerbsfähige Steuern, geringere Lohnnebenkosten, niedrige Strompreise, schnellere Genehmigungsverfahren. Erfreulich ist das zuletzt erfolgreich geschlossene Handelsabkommen mit Indien, unverständlich dagegen der Aufschub bei Mercosur.

Aus dem Blackout lernen

Die geopolitischen Verwerfungen erhöhen den Handlungsdruck. Europa muss resilienter werden, das hat auch der Stromausfall in Berlin zu Jahresbeginn gezeigt. Wir müssen unsere kritischen Infrastrukturen besser schützen. In klar definierten sicherheitsnahen Bereichen kann ein höherer europäischer Wertschöpfungsanteil hilfreich sein. Hier können gezielte Local-Content-Regeln ein Instrument sein, aber sie ersetzen keine Standortpolitik. Die Elektro- und Digitalindustrie profitiert wie kein anderer deutscher Industriesektor von offenen Märkten. Generellen Forderungen nach Local Content müssen wir daher entschlossen entgegentreten.

Zum Schluss noch ein persönliches Wort: Dieses Editorial ist mein letztes als ZVEI-Präsident, meine Amtszeit endet im Mai nach sechs Jahren. Es war mir ein Anliegen, die Stimme der Elektro- und Digitalindustrie in die politische und gesellschaftliche Debatte einzubringen. Der Anspruch bleibt: Wir brauchen Reformen, die Innovation ermöglichen und den Standort Deutschland und Europa stärken. Dafür wird sich der ZVEI auch künftig konsequent einsetzen. Der ZVEI bleibt Ihre starke Stimme.

Herzlichst, Ihr Dr. Gunther Kegel

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Droht uns die nächste Chip-Krise?

Der KI-Boom saugt die Speicherchips aus dem Markt. Infrastruktur und Rechenzentren profitieren, andere Branchen könnten unter Druck geraten. Der ZVEI fordert seit geraumer Zeit, die Investitionen in die Mikroelektronik auszubauen, um volkswirtschaftlichen Schaden abzuwenden. Einmal mehr zeigt sich, dass dies nicht nur Selbstzweck, sondern ein Gebot der Vernunft ist.

Grüngasquote im Wärmemarkt: Fehlanreiz mit Folgen

In der aktuellen Diskussion um die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) wird erneut die Einführung einer Grüngasquote für den Wärmesektor erwogen. Was auf den ersten Blick als Beitrag zum Klimaschutz erscheinen mag, würde aus Sicht des ZVEI aber zentrale Elemente der Wärmewende konterkarieren, Investitionsentscheidungen verzerren und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland schwächen.

Gesundheit

EU ordnet Rechtsrahmen für Medizin-Software neu

Weniger Doppelregulierung: AI Act und Medizinprodukteverordnung sollen künftig deutlicher voneinander abgegrenzt sein. Die EU-Kommission schafft damit die Grundlage für mehr Klarheit bei medizinischer Software und KI. Jetzt kommt es auf eine präzise Ausgestaltung an.



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60 %

der Autofahrerinnen und Autofahrer bevorzugen laut einer Civey-Umfrage im Auftrag des ZVEI dauerhaft günstigere Stromkosten für das E-Auto, nur 18 % finden eine einmalige Kaufprämie besser.