Europas KI-Chance liegt in den Fabriken
Während die Welt über Chatbots diskutiert, entscheidet sich Europas KI-Zukunft in der Industrie. Diese hat beste Voraussetzungen – wenn die Politik jetzt die richtigen Rahmenbedingungen setzt.
ampere 2026
Heißes Eisen - Online
Die Geopolitik ist gerade im Umbruch. Die USA als Verbündete wackeln, die Dominanz des Silicon Valley erscheint immer mehr als Risiko. Ist globale Arbeitsteilung noch sinnvoll, wenn es um sicherheitskritische oder systemrelevante Produkte geht? Ampere sprach darüber mit Manuel Atug, Principal bei der Berliner Beratungsfirma HiSolutions AG.

Atug: Für Unternehmen ist es höchste Zeit, darüber nachzudenken, von welchem Staat und welchem Dienstleister sie abhängig sein wollen. Alle sollten an ihrer digitalen Souveränität arbeiten, Stück für Stück, bei jeder Ausschreibung und jeder anstehenden Migration. Das ist ein kontinuierlicher Prozess. Mein Rat: Verpflichten Sie Ihre Dienstleister auf freie und offene Standards, optimalerweise gepaart mit Open-Source-Lösungen. In Bereichen wie E-Mails, Domains und Webhosting funktioniert genau deswegen digitale Souveränität sehr gut. Hier können die Kunden dank offener Standards schnell den Anbieter wechseln.
Ist Cyberabwehr ab sofort ein politisches Thema?
Atug: Das ist schon lange der Fall. Ein wichtiger Wendepunkt war der 11. September 2001, ein anderer der Überwachungsskandal, den Edward Snowden 2013 öffentlich machte. Seitdem haben alle Länder – auch Deutschland – ihre Aktivitäten im Cyberbereich verstärkt. Den letzten Schub gab es nach Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine. Wir sehen also seit Jahren einen massiven Anstieg bei der Spionage durch staatliche Akteure.
Principal bei HiSolutions AG
Aber gibt es zu den Angeboten von US-Technologieriesen immer europäische Alternativen?
Atug: Dieses Klagelied hört man oft. Mein Verdacht ist, dass häufig nicht richtig gesucht wird. Mich hat letztens ein Bekannter angesprochen, der eine Alternative zu Dropbox suchte. Wenn man im Internet ein bisschen recherchiert, stößt man z. B. schnell auf „Nextcloud Hosting“ und findet einheimische Dienstleister, die einen ähnlichen Service auf der Basis der freien Software Nextcloud anbieten – auch aus dem Mittelstand. Aber es muss der Wille da sein, es ernsthaft zu wollen! Es braucht die Geschäftsführung, die sagt „Wir wollen digitale Souveränität“. Letztlich ist das Teil einer nachhaltigen Unternehmensstrategie.
Aus der Politik war zuletzt die Forderung zu hören, nicht nur die Abwehr zu verbessern, sondern auch „Gegen-Hacking“ zu betreiben. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt etwa hat das unlängst Hackern angedroht, die staatliche Institutionen angreifen. Was halten Sie von solchen sogenannten Hackbacks?
Atug: Das Prinzip „Auge um Auge“ ist die garantiert falsche Lösung. Zum einen sind Hackbacks schlichtweg offensichtlich verfassungswidrig, zum anderen kann es zu unvorhersehbaren Kollateralschäden kommen. Staatliche Akteure und andere Kriminelle nutzen für ihre Angriffe ja in der Regel keine eigenen Systeme, sondern kapern dafür fremde IT-Infrastruktur. Angenommen zum Beispiel, es handelt sich dabei um den Server eines deutschen Krankenhauses, könnte ein Hackback die OP-Belegungsplanung oder den Zugriff auf Patientendaten lahmlegen.
Text Constantin Gillies | Bild ZVEI/René Gaens
Dieser Artikel ist Teil der Ausgabe 2026, die am 13. April 2026 erscheint.
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Industrielle KI gilt als große Chance für die deutsche Industrie. Für Rainer Brehm, COO für Automatisierung und CTO bei Siemens Digital Industries, und Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, müssen aber regulatorische Vorgaben für die Datenverarbeitung in Fabriken vereinfacht werden.
Der EU AI Act soll den Umgang mit Künstlicher Intelligenz regeln. Doch auch dieser Rechtsrahmen zeigt ein grundlegendes Problem kritisiert Kathrin Glastra, Büroleiterin des ZVEI European Office: Unklare und teils widersprüchliche Anforderungen drohen die guten Absichten der Europäischen Union zu konterkarieren.
Der Cyber Resilience Act (CRA) sollte in seiner Struktur angepasst werden. Vor allen Dingen braucht es Ausnahmen für „unkritische Produkte mit digitalen Elementen“, sagt ZVEI-Europa-Expertin Kathrin Glastra.
Die Geopolitik ist gerade im Umbruch. Die USA als Verbündete wackeln, die Dominanz des Silicon Valley erscheint immer mehr als Risiko. Ist globale Arbeitsteilung noch sinnvoll, wenn es um sicherheitskritische oder systemrelevante Produkte geht? Ampere sprach darüber mit Manuel Atug, Principal bei der Berliner Beratungsfirma HiSolutions AG.
Auf die Elektro- und Digitalindustrie kommt es mehr denn je an, zeigt sich Daniel Hager, designierter ZVEI-Präsident, überzeugt. Die Megatrends Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung seien aufs Engste mit der Branche verbunden. Zusätzliche Verantwortung müsse sie durch größere geopolitische Unsicherheiten, eine rasante KI-Entwicklung und lähmende regulatorische Hürden schultern. Trotzdem gibt sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Hager Group zuversichtlich. Stärker als bisher will er allerdings die EU in die Pflicht nehmen.
Interview mit Debra Phillips, Präsidentin und CEO der National Electrical Manufacturers Association (NEMA), dem US-amerikanischen Branchenverband der Elektroindustrie
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Mit dem Magazin der Elektro- und Digitalindustrie ampere, das zwei Mal im Jahr erscheint, schaut der Verband über den Tellerrand der Branche hinaus.
Jede Ausgabe von ampere setzt sich kontrovers und informativ mit Themenschwerpunkten der Elektroindustrie auseinander, die aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden. Der Verband will mit dem Magazin den Dialog mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft stärken.