Aber gibt es zu den Angeboten von US-Technologieriesen immer europäische Alternativen?
Atug: Dieses Klagelied hört man oft. Mein Verdacht ist, dass häufig nicht richtig gesucht wird. Mich hat letztens ein Bekannter angesprochen, der eine Alternative zu Dropbox suchte. Wenn man im Internet ein bisschen recherchiert, stößt man z. B. schnell auf „Nextcloud Hosting“ und findet einheimische Dienstleister, die einen ähnlichen Service auf der Basis der freien Software Nextcloud anbieten – auch aus dem Mittelstand. Aber es muss der Wille da sein, es ernsthaft zu wollen! Es braucht die Geschäftsführung, die sagt „Wir wollen digitale Souveränität“. Letztlich ist das Teil einer nachhaltigen Unternehmensstrategie.
Aus der Politik war zuletzt die Forderung zu hören, nicht nur die Abwehr zu verbessern, sondern auch „Gegen-Hacking“ zu betreiben. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt etwa hat das unlängst Hackern angedroht, die staatliche Institutionen angreifen. Was halten Sie von solchen sogenannten Hackbacks?
Atug: Das Prinzip „Auge um Auge“ ist die garantiert falsche Lösung. Zum einen sind Hackbacks schlichtweg offensichtlich verfassungswidrig, zum anderen kann es zu unvorhersehbaren Kollateralschäden kommen. Staatliche Akteure und andere Kriminelle nutzen für ihre Angriffe ja in der Regel keine eigenen Systeme, sondern kapern dafür fremde IT-Infrastruktur. Angenommen zum Beispiel, es handelt sich dabei um den Server eines deutschen Krankenhauses, könnte ein Hackback die OP-Belegungsplanung oder den Zugriff auf Patientendaten lahmlegen.