Bilanz

Ballast abgeworfen!

Was wir 2025 erreicht haben

Überbordende Bürokratie wurde erfolgreich bekämpft. Dem ZVEI ist es gelungen, dysfunktionale Gesetze zu stoppen und Berichtspflichten zu streichen – und der Fokus der Politik liegt endlich wieder auf Wettbewerbsfähigkeit und Innovation.

Wichtige Stromkosten-Entlastung

Ausgangssituation: Die Elektrifizierung ist der Schlüssel zur Energiewende, erfordert aber wettbewerbsfähige Strompreise. Hohe Netzentgelte und Abgaben bedrohten den Hochlauf strombasierter Technologien und die Erschließung neuer Wachstumspotenziale am Standort Deutschland massiv.

Bilanz: Mit Zuschüssen zu Übertragungsnetzentgelten und geplanten spezifischen Strompreisentlastungen für die Batterie-, Kabel- und Halbleiterfertigung wurden kurzfristige Erfolge erzielt. Der ZVEI fordert jedoch weitergehende Schritte: Perspektivisch muss die Stromsteuer für alle Verbrauchergruppen sinken und der Strompreis dauerhaft von Umlagen befreit werden. 

Entbürokratisierung durch Omnibus I

Ausgangssituation: Der ZVEI drängt seit Langem auf einen spürbaren Abbau von Bürokratie, um die Balance zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit wiederherzustellen. Insbesondere die geplante zivile Haftung sowie verpflichtende Klimapläne im Rahmen der Lieferkettenregulierung (CSDDD) stellten ein unkalkulierbares Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit dar.

Bilanz: Der intensive Einsatz hat sich ausgezahlt: Im „Omnibus I“-Paket sind sowohl die zivilrechtliche Haftung als auch die Klimapläne gestrichen worden. Zudem wurde der Anwendungsbereich eingeschränkt, was insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen schützt. Ein wichtiger Schritt zur Entlastung der Branche ist getan.

Ende der SCIP-Datenbank

Ausgangssituation: Über Jahre hinweg wies der ZVEI auf die Unverhältnismäßigkeit der SCIP-Datenbank hin. Die parallelen Meldeanforderungen neben REACH verursachten hohen administrativen Aufwand ohne einen nennenswerten Nutzen für Recyclingunternehmen – ein klassisches Beispiel für dysfunktionale Regulierung, die Ressourcen bindet.

Bilanz: Die EU-Kommission setzt mit dem Umwelt-Omnibus ein wichtiges Signal: Die SCIP-Datenbank soll abgeschafft werden. Damit beweist die Politik Handlungsfähigkeit, indem sie ineffiziente Vorgaben korrigiert. Bürokratieabbau und Umweltschutz werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern effizienter gestaltet.

Green-Claims-Richtlinie gestoppt

Ausgangssituation: Der ZVEI unterstützt das Ziel, Greenwashing zu verhindern. Die geplante Green-Claims-Richtlinie drohte jedoch, durch obligatorische Ex-ante-Zertifizierungen und Doppelregulierung das Gegenteil zu bewirken: massive bürokratische Hürden für Unternehmen ohne echten Mehrwert für Transparenz und Umwelt.

Bilanz: Die Trilogverhandlungen wurden mangels Unterstützung im EU-Parlament und Rat ausgesetzt. Der ZVEI hatte sich frühzeitig auf nationaler und europäischer Ebene gegen den praxisfernen Entwurf gewandt. Der vorläufige Stopp verhindert Rechtsunsicherheit und eine unverhältnismäßige Belastung der Industrie.

Medizintechnik als Leitwirtschaft

Ausgangssituation: Lange wurde gefordert, das Wachstums- und Innovationspotenzial der Medizintechnik stärker anzuerkennen. Es fehlte eine Strategie der Bundesregierung, die das Gesundheitssystem und die industrielle Leistungsfähigkeit gemeinsam betrachtet und die Branche gezielt als deutsche Leitwirtschaft versteht.

Bilanz: Mit dem Startschuss zur Pharma- und Medizintechnikstrategie im Kanzleramt wurde eine zentrale Forderung erfüllt. In einem breiten Dialogprozess unter prominenter Beteiligung des ZVEI werden nun konkrete Maßnahmen erarbeitet, um den Standort für diese Schlüsselindustrie nachhaltig zu stärken.

Smart-Meter-Rollout auf Kurs

Ausgangssituation: Der Rollout intelligenter Messsysteme stockte, vor allem wegen aufwendiger Prozesse. Deutschland ist das erste Land, bei dem neben dem Auslesen von Zählerdaten zusätzlich eine lokale Steuerung zur Gewährleistung der Netzstabilität realisiert wird. Um vermeintlich Tempo zu gewinnen, brachten einige Akteure einen „Smart Meter light“-Ansatz mit abgesenkten technischen Standards ins Spiel, was jedoch neue Sicherheitsrisiken aufgeworfen hätte.

Bilanz: Die Debatte um eine unsichere „Light“-Version ist vom Tisch. Der ZVEI konnte überzeugen: Cybersicherheit und der Weg zum Steuerungsrollout bleiben essenziell. Notwendige Vereinfachungen sollen nun kommen, jedoch ohne Abstriche bei der Sicherheit der kritischen Infrastruktur zu machen.

Praxisnähere KI-Regulierung

Ausgangssituation: Für die industrielle Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) sind Rechtssicherheit und Praxistauglichkeit entscheidend. Der „One-size fits-all“-Ansatz im AI Act und zu kurze Übergangsfristen sind praxisfern. Hinzu kam die Überlegung, für KI ein eigenes verschärftes Haftungsregime zu etablieren. 

Bilanz: Die geplante KI-Haftungsrichtlinie kommt nicht – ein Erfolg für die Entlastung der Unternehmen. Positiv ist zudem der Vorschlag im Digital-Omnibus-Paket, die Anwendung des AI Acts an das Vorliegen harmonisierter europäischer Normen zu koppeln. Damit rückt die Regulierung endlich näher an die industrielle Wirklichkeit heran.

 

Text Christian Buck | Foto pexels/Pawel Kosmala

 

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2026 am 13. April 2026 erschienen.



Erschienen in der Ausgabe 2026

Zukunft jetzt

Expertenwissen, Meilensteine und Schaltzeichen: Drei informative Kurztexte über und aus der Elektro- und Digitalindustrie.

Ballast abgeworfen!

Überbordende Bürokratie wurde erfolgreich bekämpft. Dem ZVEI ist es gelungen, dysfunktionale Gesetze zu stoppen und Berichtspflichten zu streichen – und der Fokus der Politik liegt endlich wieder auf Wettbewerbsfähigkeit und Innovation.

„Nachdenken bleibt die beste Gegenmaßnahme“

Künstliche Intelligenz könnte sich zum Cybersicherheits-GAU entwickeln: Denn in den falschen Händen kann KI Sicherheitslücken schnell identifizieren und ausnutzen. IT-Security-Experte Manuel Atug warnt dennoch vor blinder Panik. Für ihn bleibt das beste Mittel gegen Cyberkriminelle ein altes.

Regulierung mit Augenmaß

Der Cyber Resilience Act (CRA) soll für mehr Sicherheit, Vertrauen und Zukunftsfähigkeit sorgen. Doch der Rechtsakt der EU zeigt ein Problem: Gute Absichten werden durch überzogene Anforderungen geschwächt – mit Folgen für Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Versorgungssicherheit.

„Peking meint es ernst!“

Roboter, die wirken wie Menschen, und eine Regierung, die KI zur Staatsaufgabe macht: China drückt bei der Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Hardware aufs Tempo. Mit Milliardenförderung und hohem Umsetzungstempo will man Marktführer bei praktischen KI-Anwendungen werden. Das setzt die USA und Europa unter Zugzwang.

KI-Wachstum in der Industrie

Industrielle KI (Industrial AI) umfasst KI-Technologien, die speziell für industrielle Umgebungen entwickelt wurden. Anders als Consumer-KI verarbeiten diese Systeme Echtzeitdaten von Industriemaschinen und Produktionsanlagen.

Vom Schaltschrank zur Sicherheit

Von robusten Elektronikbauteilen bis zu einer resilienten Energieversorgung: Moderne Verteidigung braucht weit mehr als militärisches Gerät. Die Elektro- und Digitalindustrie rückt damit ins Zentrum eines neuen Markts. Die beiden Unternehmen Wöhner und Weidmüller geben Einblicke in Chancen, Risiken und Zugangswege.

Viel mehr als Chatbots

Industrielle KI unterscheidet sich fundamental von Consumer-Anwendungen. Deutschlands Stärke liegt im Prozesswissen – und in Standards, die KI-Integration heute so einfach machen wie nie.

Durchwachsene Bilanz

Exzellente Forschung und hohes Wertschöpfungspotenzial auf der einen, Investitionszurückhaltung und wenig Patente auf der anderen Seite: Bei KI hat Deutschland Stärken und Schwächen.

KI in der Maschine

Edge AI und Agentic AI bringen Künstliche Intelligenz von der Cloud direkt in die Fertigung. Das macht die Produktion schneller, sicherer und effizienter – und könnte zum Wettbewerbsvorteil für den Industriestandort Deutschland werden.

Europas KI-Chance liegt in den Fabriken

Während die Welt über Chatbots diskutiert, entscheidet sich Europas KI-Zukunft in der Industrie. Diese hat beste Voraussetzungen – wenn die Politik jetzt die richtigen Rahmenbedingungen setzt.

"Innovation ist unsere DNA für das KI-Zeitalter"

Industrielle KI gilt als große Chance für die deutsche Industrie. Für Rainer Brehm, COO für Automatisierung und CTO bei Siemens Digital Industries, und Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, müssen aber regulatorische Vorgaben für die Datenverarbeitung in Fabriken vereinfacht werden.

Künstliche Intelligenz im Fokus

Der EU AI Act soll den Umgang mit Künstlicher Intelligenz regeln. Doch auch dieser Rechtsrahmen zeigt ein grundlegendes Problem kritisiert Kathrin Glastra, Büroleiterin des ZVEI European Office: Unklare und teils widersprüchliche Anforderungen drohen die guten Absichten der Europäischen Union zu konterkarieren.

„Unternehmen müssen jetzt an ihrer digitalen Souveränität arbeiten“

Die Geopolitik ist gerade im Umbruch. Die USA als Verbündete wackeln, die Dominanz des Silicon Valley erscheint immer mehr als Risiko. Ist globale Arbeitsteilung noch sinnvoll, wenn es um sicherheitskritische oder systemrelevante Produkte geht? Ampere sprach darüber mit Manuel Atug, Principal bei der Berliner Beratungsfirma HiSolutions AG.

"Wir müssen früher wissen, wohin die Reise geht"

Auf die Elektro- und Digitalindustrie kommt es mehr denn je an, zeigt sich Daniel Hager, designierter ZVEI-Präsident, überzeugt. Die Megatrends Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung seien aufs Engste mit der Branche verbunden. Zusätzliche Verantwortung müsse sie durch größere geopolitische Unsicherheiten, eine rasante KI-Entwicklung und lähmende regulatorische Hürden schultern. Trotzdem gibt sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Hager Group zuversichtlich. Stärker als bisher will er allerdings die EU in die Pflicht nehmen.

ampere

Das Magazin der Elektro- und Digitalindustrie

Mit dem Magazin der Elektro- und Digitalindustrie ampere, das zwei Mal im Jahr erscheint, schaut der Verband über den Tellerrand der Branche hinaus.

Jede Ausgabe von ampere setzt sich kontrovers und informativ mit Themenschwerpunkten der Elektroindustrie auseinander, die aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden. Der Verband will mit dem Magazin den Dialog mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft stärken.