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Expertenwissen, Meilensteine und Schaltzeichen: Drei informative Kurztexte über und aus der Elektro- und Digitalindustrie.
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Grenzüberschreitung
Roboter, die wirken wie Menschen, und eine Regierung, die KI zur Staatsaufgabe macht: China drückt bei der Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Hardware aufs Tempo. Mit Milliardenförderung und hohem Umsetzungstempo will man Marktführer bei praktischen KI-Anwendungen werden. Das setzt die USA und Europa unter Zugzwang.

Da steckt ein Mensch drin! Dieser Verdacht wurde sofort laut, als der chinesische Autohersteller Xpeng unlängst seinen KI-gesteuerten Roboter Iron vorstellte. Denn der Zweibeiner bewegte sich so flüssig und menschenähnlich wie kein anderer „Humanoide“ zuvor. Deshalb griff He Xiaopeng, CEO des Unternehmens, zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Er schnitt die Hülle des Roboters auf offener Bühne auf, sodass einige der insgesamt 82 Gelenke sichtbar wurden. Schon Ende dieses Jahres soll Iron in Serie gefertigt werden.
Nicht nur bei den „Humanoiden“ prescht China vor, sondern überall da, wo es um die Verknüpfung von Künstlicher Intelligenz mit Hardware geht („Physical AI“). Besonders eindrucksvoll zeigt sich das bei Industrierobotern: 295.000 Stück wurden zuletzt pro Jahr in chinesischen Fabriken neu installiert, mehr als im Rest der Welt zusammen, sagt die International Federation of Robotics. Dass sogar ein Autohersteller wie Xpeng auf den Robotermarkt vordringt, ist symptomatisch. „China nutzt gut seine vorhandenen Lieferketten, um neue KI-Anwendungen voranzutreiben“, sagt Wendy Chang, Senior Analyst beim Mercator Institute for China Studies (MERICS), Berlin, einer gemeinnützigen Forschungseinrichtung.
Wie der Aufstieg zur KI-Supermacht ablaufen soll, hat die chinesische Regierung in ihrem Aktionsplan „AI+“ skizziert: Das Land soll zur „smarten“ Wirtschaft werden, in der KI allgegenwärtig ist – im selbstfahrenden Auto, in der Fabrik, im Gesundheitssystem. Dabei geht es China weniger um die Jagd nach einer „Superintelligenz“ (Artificial General Intelligence, AGI), sondern vor allem um praktischen Nutzen. Das „Wall Street Journal“ spitzte den Unterschied unlängst so zu: Der Westen wolle mit KI den Krebs heilen – und China eine bessere Waschmaschine bauen.
„AI+“ ist kein unverbindliches Strategiepapier. „Peking meint es ernst!“, warnt Analystin Chang. Zu jedem Teil des Plans würden detaillierte Einzelpläne formuliert – für Sektoren wie Umwelttechnik, Produktion oder Gesundheit. Zudem würden alle Maßnahmen bis auf die Provinzen heruntergebrochen – und über entsprechende Subventionen gefördert. Allein der zentrale KI-Fonds des Staats umfasst umgerechnet 7,2 Milliarden Euro. So könne es China tatsächlich gelingen, bei praktischen KI-Anwendungen Marktführer zu werden, meint Chang. „Ähnlich wie zuvor bei Solartechnik oder E-Autos.“

Chinas größte Stärke bleibt dabei das Tempo. „Die chinesische Mentalität ist: Wir probieren schnell aus und verfeinern später“, sagt Silke Sichter, China-Expertin des ZVEI. Hinzu kommt ein unumstößlicher Fortschrittsglaube: Während in Deutschland nur 46 Prozent der Menschen KI-Produkte und -Dienstleistungen „aufregend“ finden, sind es in China 80 Prozent, ergab eine Umfrage der Stanford University. Gegenstück zum chinesischen KI-Programm ist der „AI Action Plan“, den die US-Regierung im vergangenen Sommer formuliert hat. Die Unterschiede fasst Debra Phillips, Präsidentin des ZVEI-Schwesterverbandes NEMA (National Electrical Manufacturers Association), so zusammen: „Die Chinesen sind gut darin, Pläne aufzustellen und sich schnell zu bewegen, mit der ganzen Macht der Regierung im Rücken – die USA setzen Anreize dafür, dass der private Sektor im Rennen vorne bleibt.“ Wichtiger Teil des Plans ist zum Beispiel, die Genehmigungsverfahren für den Bau neuer Rechenzentren zu vereinfachen.
Das weltweite KI-Rennen ist jedoch kein reines Duell China-USA. Vor allem im Bereich der industriellen Anwendungen („Industrial AI“) spielt auch Europa nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Beratungsfirma Market Research Future beziffert den Wert des europäischen Markts auf 1,03 Milliarden US-Dollar – China kommt nur auf 777 Millionen US-Dollar. Und mit einem Wert von 300 Millionen US-Dollar ist Deutschland Spitzenreiter bei „Industrial AI“. Diese Position sei zu halten, wenn man weiter auf Qualität und Innovationen setzt, meint Asien-Expertin Sichter. „Aber wir müssen schneller Lösungen anbieten.“
Text Constantin Gillies | Bilder International Federation of Robotics, XPeng
Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2026 am 13. April 2026 erschienen.
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